Bericht VR-Präsident und CEO
SEHR GEEHRTE AKTIONÄRIN, SEHR GEEHRTER AKTIONÄR
Eine steigende Zahl externer Faktoren beeinflusst die Energiewirtschaft. Die EGL hat ihre Strukturen und Prozesse in den letzten zwölf Monaten auf diese Herausforderungen ausgerichtet und weiter dem veränderten Margenpotenzial angepasst. In diesem schwierigen Umfeld erzielte sie ein gegenüber dem Vorjahr um 12% tieferes Unternehmensergebnis von CHF 22.2 Mio. Dieses war durch regulatorische Effekte in der Grössenordnung von CHF 39.8 Mio. belastet.
Das Geschäftsjahr 2010/11 war geprägt von zahlreichen Ereignissen, Entscheidungen und Entwicklungen, die grossen Einfluss auf die Energiewirtschaft hatten. Auf internationaler Ebene war dies insbesondere der Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima, infolgedessen die Rahmenbewilligungsgesuche für den Bau von Ersatzkernkraftwerken in der Schweiz sistiert wurden.
Auf EU-Ebene wurde im Berichtsjahr das dritte Liberalisierungspaket für alle Mitgliedstaaten verbindlich. Zudem wurden zusätzliche Regeln beschlossen, welche die Markttransparenz über Reporting-Pflichten für Händler und Produzenten erhöhen sollen. Zwischen der Schweiz und der EU konnte noch kein bilaterales Stromabkommen abgeschlossen werden. Schliesslich ist in ganz Europa weiterhin ein starker Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten auf der Basis erneuerbarer Energien zu beobachten, wodurch traditionelle Preismuster verändert werden, was erheblichen Einfluss auf das Energiehandelsgeschäft ausübt (siehe separaten Artikel).
In der Schweiz haben sich Regierung und Parlament für den langfristigen, schrittweisen Ausstieg aus der Kernkraft ausgesprochen. Der Bundesrat wurde beauftragt, im Kernenergiegesetz ein Verbot für den Bau neuer Kernkraftwerke zu verankern. Wenn die Gesetzesrevision vorliegt, wird sich das Parlament erneut dazu äussern können. Das erste Kernkraftwerk könnte in der Schweiz etwa um 2020 vom Netz gehen, das letzte nach 2034.
Im Berichtsjahr wurde in der Schweiz zudem zwischen den Eigentümern des Übertragungsnetzes – also auch der EGL Grid AG – und der Netzbetreiberin Swissgrid eine Grundsatzvereinbarung zur Übertragung des Übertragungsnetzes geschlossen.
All diese Veränderungen bergen Chancen und Risiken für die EGL und beeinflussen ihr Ertrags- und Wachstumspotenzial. Die EGL begegnet diesen Herausforderungen, indem sie sich entsprechend ihren Möglichkeiten und Kompetenzen positioniert und flexibel aufstellt, um überdurchschnittlich attraktive Nischen erfolgreich zu besetzen.
Vielfältige Einflüsse auf die Energiepreise
Die Preise der Primärenergien stiegen im ersten Halbjahr 2010/11 deutlich an. Naturkatastrophen und soziale Spannungen trugen ihren Teil zu dieser Entwicklung bei. Nach dem Erdbeben in Japan und der Abstellung einzelner Kernkraftwerke nahm der Erdgasbedarf des Landes zu. Zusätzlich liess die Entscheidung Deutschlands, bis 2022 aus der Kernenergie auszusteigen und die bereits abgestellten acht Kernkraftwerke endgültig vom Netz zu nehmen, die Strompreise am Spot- und am Terminmarkt deutlich ansteigen.
«Zahlreiche Veränderungen beeinflussen das Ertrags- und Wachstumspotenzial der EGL.»
Die Zuspitzung der Situation in Libyen und Syrien, die Ängste vor einer starken Hurricane-Saison in den USA, weitere Unwetter wie auch die bis zum Sommer tiefen Wasserstände in Zentraleuropa hielten die Brennstoff- und Strompreise bis im Frühsommer hoch. Im zweiten Halbjahr drehte der Trend jedoch. Die sich verschärfende Schuldenkrise Europas, die Herabstufung von Griechenland, Spanien und Italien durch Rating-Agenturen, die Angst vor einer erneuten Rezession und die milde Witterung setzten die Spot- und Terminpreise für Strom und Erdgas unter Abwärtsdruck, und auch die Volatilität sank deutlich.
Der starke Anstieg der Ölpreise im letzten Kalenderquartal 2010 sorgte im Geschäftsjahr 2010/11 für deutlich höhere Gaspreise. Da der Strompreis nicht im selben Ausmass anstieg, lag der Clean Spark Spread (Differenz zwischen Strompreis einerseits sowie Erdgas- und Zertifikatpreisen andererseits) in vielen Stunden im negativen Bereich.
Auswirkung der europaweiten Kernkraftdebatte
Die EGL produziert und bezieht durch ihre Beteiligung am Kraftwerk Leibstadt und ihre Strombezugsrechte aus den französischen Kraftwerken Bugey und Cattenom jährlich durchschnittlich 2.5 Mrd. kWh Strom aus Kernkraftwerken. Sie ist daher unmittelbar und mittelbar von zukünftigen politischen und regulatorischen Entscheidungen im Zusammenhang mit der Kernkraftnutzung betroffen. Die Bandbreite möglicher Einflüsse reicht von höheren Gestehungskosten über die Erfüllung neuer behördlicher Auflagen bis hin zur allfälligen Abschaltung von Kernkraftwerken.
Bilaterales Stromabkommen mit der EU weiterhin offen
Die Verhandlungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union im Strombereich wurden im Berichtsjahr weitergeführt, aber noch nicht abgeschlossen. Verhandelt wurde unter anderem über den Netzzugang für den grenzüberschreitenden Stromhandel, wobei ein Lösungsansatz entwickelt werden konnte, der die Rechte der Halter von langfristigen Strombezugsverträgen garantiert und die von der EGL in Frankreich getätigten Kraftwerks- und Netzinvestitionen für den Bezug von Strom in die Schweiz schützt. Gemeinsam mit anderen Vertretern der Schweizer Elektrizitätswirtschaft strebt die EGL einen raschen Verhandlungsabschluss in Form eines schlanken und eigenständigen Stromhandelsabkommens Schweiz-EU an.
Bruttomarge der EGL tiefer als im Vorjahr
In diesem äusserst schwierigen Umfeld erwirtschaftete die EGL eine gegenüber der Vorjahresperiode um 23% tiefere Bruttomarge von CHF 502.1 Mio. Der Rückgang war wesentlich geprägt von einem schwächeren betrieblichen Handelsergebnis, den geringen Laufstunden der Gas-Kombikraftwerke in Italien, den abnehmenden Preisunterschieden zwischen dem italienischen und den benachbarten Märkten sowie den Einflüssen des Wechselkurses auf den in Schweizer Franken ausgewiesenen Abschluss.
«Die EGL strebt einen raschen Verhandlungsabschluss in Form eines bilateralen Stromabkommens zwischen der Schweiz und der EU an.»
Der durchschnittliche Personalbestand der EGL Gruppe sank im Laufe des Geschäftsjahres von 855 auf 769 Vollzeitstellen (– 10%). Die Personalkosten sanken überproportional um 18% auf CHF 133.8 Mio. Der Personalbestand zum Bilanzstichtag betrug 737 Vollzeitstellen (– 10%). Diese Reduktion ist hauptsächlich eine Folge der Anpassung von Strukturen und Prozessen im Handel und im Backoffice am Standort Dietikon. Die EGL hat durch gezielte Kostensenkungsmassnahmen den übrigen Betriebsaufwand auf CHF 239.7 Mio. (– 5%) reduziert.
Regulatorische Entscheidungen beeinflussen Unternehmensergebnis
Der EBIT der EGL Gruppe betrug für das Geschäftsjahr 2010/11 CHF 53.3 Mio. (– 68%). Der Anteil am Ergebnis von assoziierten Gesellschaften erhöhte sich von CHF – 5.0 Mio. im Vorjahr auf CHF – 2.0 Mio., während sich das Finanzergebnis von CHF – 98.4 Mio. auf CHF – 24.5 Mio. verbesserte. Als Folge der Grundsatzvereinbarung zur Übertragung des Schweizer Höchstspannungsnetzes an die Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid musste die EGL Forderungen gegenüber der Swissgrid im Umfang von CHF 39.8 Mio. ergebniswirksam abschreiben. Entsprechend erzielte die EGL einen EBT von CHF 26.8 Mio. (– 59%). Die vorliegende Ertragslage führte zu konsolidierten Ertragssteuern in der Höhe von CHF 4.6 Mio. (– 88%), woraus sich für das Geschäftsjahr 2010/11 ein Unternehmensergebnis nach Steuern von CHF 22.2 Mio. (– 12%) ergibt.
Im Berichtsjahr verzeichnete die EGL einen operativen Cash Flow von CHF 132.9 Mio. (Vorjahresperiode: CHF 111.9 Mio.). Ihre liquiden Mittel per 30. September 2011 beliefen sich auf CHF 301.6 Mio. (– 37%). Das Gearing erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 8.8% auf 51.9%.
Kostensenkungsmassnahmen zeigen Wirkung
Mit dem Ziel, weiterhin eine nachhaltige Profitabilität zu sichern, hat die EGL in der Berichtsperiode die stärkere Fokussierung der Strategieumsetzung und ihr Kostensenkungsprogramm weitergeführt. Innert Jahresfrist wurden die betrieblichen Kosten um mehr als CHF 40 Mio. gesenkt. Die Zahl der Mitarbeitenden ging um rund einen Zehntel zurück.
«Innert Jahresfrist hat die EGL die betrieblichen Kosten um mehr als CHF 40 Mio. gesenkt.»
Übernahmeangebot der Axpo Holding AG erfolgreich
Ende Juni 2011 unterbreitete die Axpo Holding AG den Minderheitsaktionärinnen und -aktionären ein öffentliches Kaufangebot zur Übernahme der restlichen Inhaberaktien der EGL AG zum Preis von CHF 850 pro Aktie. Bis zum Ablauf der Nachfrist für dieses Angebot am 1. September resultierte eine Beteiligung der Axpo an der EGL von 99.8% der Stimmrechte und des Aktienkapitals. Nach Vollzug des Angebots hat Axpo die Kraftloserklärung der restlichen Aktien der EGL beantragt und die Dekotierung der Titel eingeleitet.
Aktienkursentwicklung
Die EGL Aktie stand zu Beginn des Geschäftsjahres 2010/11 bei CHF 705.00. Während des Geschäftsjahres schwankte der Aktienkurs zwischen CHF 651.00 (24. Februar 2011) und CHF 865.00 (8. September 2011), wobei er sich nach der Lancierung des Kaufangebotes durch die Axpo Holding AG mehrheitlich um den angebotenen Kaufpreis von CHF 850.00 bewegte. Ende September 2011 notierte der Titel bei CHF 841.50. Damit zeigte die Aktie im Geschäftsjahr 2010/11 eine positive Kursperformance von + 19.4% beziehungsweise eine positive Gesamtrendite (unter Berücksichtigung der Dividende) von + 21.9%. Im Durchschnitt wechselten im Geschäftsjahr 2010/11 täglich 418 Aktien den Besitzer.
Zuhanden der Generalversammlung beantragt der Verwaltungsrat der EGL, keine Dividende auszuschütten.
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HEINZ KARRER |
HANS SCHULZ |
